Wie gefährlich sind Krypto-Influencer:innen wirklich?

Wenn wir an Krypto denken, kommt uns Dagobert Duck in den Sinn: Mit blinkenden Dollarzeichen in den Augen, inmitten goldener Coins. Dass das schon lange nicht mehr die Realität ist, weiß Regina Steffens, Journalistin im Audio-Ressort DER SPIEGEL, und macht uns auf ein spannendes Social Media-Phänomen aufmerksam: Krypto-Influencer:innen – und den Betrug des Blockchain-Giganten Sam Bankman-Fried. 🧐

All eyes on: Krypto-Influencer:innen

Mit ihrem SPIEGEL-Team war Regina Steffens vor Ort in Miami und hat sich die Krypto-Influencer:innen-Szene genauer angeschaut. 🕵🏽‍♀️ Aus unserem Interview mit der Expertin nehmen wir mit:

💸 Der größte Unterschied: Krypto-Influencer:innen bewerben, statt unverfänglichen Konsumprodukten, Finanzprodukte, die an Risiken und mögliche Verlustgeschäfte geknüpft sind.

🏦 Sie agieren quasi wie Finanzberater:innen, nur oftmals ohne Lizenz, verkaufen sich als Coach oder Berater:in.

👨🏼‍💼 Auffällig: Besonders Männer dominieren diese Influencer:innen-Szene.

🫱🏽‍🫲🏾 Der Ton ist meist energisch, die Ansprache direkt, die Animation zum Kauf oft klarer formuliert als bei Lifestyle-Influencer:innen. Nüchterne, unaufgeregte Menschen, die Vertrauen im Finanzsektor wecken.

🤳🏼 Bekannte deutsche Krypto-Influencer:innen sind bspw. @bitcoin2go.de, @blocktrainer.de oder @cryptory_de, für allgemeine Finanzthemen @finanzfluss.

Attention, please!

Warum Krypto-Influencer:innen nicht nur eine weitere Nische auf den Plattformen abdecken, sondern man den Content mit Vorsicht genießen sollte, verraten wir dir jetzt. 💁🏼‍♀️

💰 Krypto-Influencer:innen profitieren oftmals selbst vom Erfolg einer Krypto-Währung oder eines Token, wenn sie in einen beworbenen Coin investiert haben. Ihr Geschäft steht jedoch zunächst unabhängig vom tatsächlichen Eintreten ihrer Vorhersagen oder Empfehlungen, d.h. von eigenen Fehleinschätzungen sind sie häufig nicht stark betroffen.

📈 Mit gewisser Reichweite können sie mit ihrem Content selbst Bewegungen auf dem Markt oder bei einzelnen Währungen verursachen. Worst-best-Case: Elon Musk auf Social Media. 🫠 Seine News, man könne einen Tesla in Bitcoin bezahlen, oder das ausgetauschte X-Logo mit dem Hund des DogeCoin, führten zu Schwankungen des Bitcoin-Kurses.

🚨 Die Volatilität nutzen manche Influencer:innen für sog. „Pump & Dump“-Szenarien aus: Influencer:innen kaufen früh in einen eher unbekannten Coin ein und empfehlen ihn der Community.

Steigt der Kurs, verkaufen die Influencer:innen und machen Gewinn. Die Follower:innen, die zu spät aussteigen, bleiben mit Verlusten zurück.

☝🏼 Wichtig! Natürlich existieren auch seriöse Krypto-Influencer:innen, die Infos bereitstellen, vorsichtig beraten und sich nicht auf solche Geschäfte einlassen. Im Finanzjournalismus dürfen Journalist:innen bspw. keine Aktien in Firmen und Branchen halten, über die sie berichten.

Baby goes True Crime

Mit 29 Jahren auf dem Forbes-Cover, mit einem ehemaligen Vermögen von über 26 Mrd. US-Dollar einer der reichsten Amerikaner:innen – kein Krypto-Gründer wurde so sehr von Politiker:innen, Investor:innen und Stars gefeiert wie Sam Bankman Fried, kurz SBF.

💸 Sam, Gründer der drittgrößten Krypto-Börse der Welt FTX, soll Kund:innengelder in Höhe von 8 Mrd. US-Dollar an Alameda Research, seinen 2017 gegründeten Hedgefond weitergegeben haben.

👩🏼‍⚖ Er wurde letzten Donnerstag in New York in allen sieben Anklage-Punkten schuldig erklärt. Darunter schwerer Finanzbetrug, Betrug an Kunden und Investoren und Geldwäsche. Das Strafmaß und das finale Urteil (Höchststrafe 115 Jahre) folgen im März 2024.

📉 Alameda hatte ein tiefes Loch in der Bilanz, investierte zu risikoreich. Die FTX-Gelder sollen veruntreut worden sein, um die Alameda-Bilanz zu retten – ein Leak führte zum Showdown.

🤝 Mitangeklagt vor Gericht: Sams Ex-Freundin Caroline Ellison sowie enge Freund:innen, die bei FTX und Alameda in hohen Positionen arbeiteten und sich am Betrug beteiligten.

👀️ Das Krasse: Sam berichtet dem SPIEGEL, dass er letztes Jahr knapp 1/3 seiner Zeit in Washington mit dem Ziel verbrachte, krypto-freundlichere Regeln in der Politik zu etablieren. Politiker:innen beeinflusste er mit Spenden – gleichermaßen an Demokraten sowie Republikaner, bspw. mit über 5 Mio. US-Dollar für die Wahlkampfkampagne von Joe Biden.

Social Media – Fluch oder Segen?

True Crime – lieben wir! Dennoch haben wir uns – natürlich 😌 – gefragt: Wieso interessiert uns der Fall Sam Bankman-Fried social wise überhaupt so sehr?

🌟 Sam nutze die Social Media-Reichweiten der Weltstars für sich: Insta-Posts mit Katy Perry beim Super Bowl und auf Partys auf den Bahamas oder TikTok-Videos von Tom Brady und „my friend Sam“ auf der eigenen FTX-Konferenz.

🎬 Sam goes Socials: FTX investierte gezielt ins Influencer:innen Marketing – auf YouTube mit Affiliate Links und Produktplatzierungen.

🏈 Im Zentrum: Accounts von großen Top-Athleten wie Stephen Curry, die ihr Gesicht für Social-FTX-Werbung verkauften oder große Sport-Profile, denn FTX erwarb bspw. die Namensrechte der Basketball-Arena in Miami.

👀 Die Folge: Eine Reihe an Co-Klagen von Betroffenen gegen Stars und YouTuber:innen, die FTX promoteten, in 4–6-stelliger Höhe wie bspw. Ben Armstrong aka @bitboy_crypto, den Regina Steffens für ihren Podcast „Krypto-Guru“ mit Marcel Rosenbach interviewte. Spoiler-Alert: Ben erkennt keinerlei Schuld bei sich. 😅

Seriöser Finanz-Content auf Social Media?

Gar nicht so leicht zu durchschauen… Auf welche Investment Ratschläge kann ich vertrauen? Gibt es Lizenzen, die mir als Privatperson helfen, echte Expert:innen zu erkennen?

☝️ Achte bei der Auswahl eines Krypto Anbieters darauf, dass er Kryptoverwahrlizenzen besitzt

🗝️ ”Not your Keys not your Coins”: Lasse den Zugang zu den eigenen Coins (Private Key) nicht auf der Blockchain liegen, sondern sichere ihn auf einem eigenen Hardware Wallet.

🧠 Das Kryptosystem appelliert außerdem stets an die Eigenverantwortung: “Be your own bank”. Also informiere dich dringend, selbst hinterfrage Aussagen von teils anonymen Krypto Influencer:innen stets kritisch.

Quellen: Business InsiderFAZSRF, Regina Steffens / DER SPIEGEL (02.11.23)

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